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Donnerstag, 7. August 2008

Jugendlichen-Adipositas tötet im mittleren Alter

Ja, es gibt die Adipositas-Epidemie der Kinder und Jugendlichen. Man spricht landläufig von der „ersten Generation von Kindern, die nicht länger leben wird als ihre Eltern“.

Ist das aber wahr? Wo sind die Daten, die zeigen, dass die Adipositas in der Kindheit wirklich einen Risikofaktor für vorzeitigen Tod darstellt?

Diese Frage hat jetzt Tone Bjørge mit Mitarbeitern von der Universität Bergen (Norwegen) beantwortet, mit vielleicht der größten Studie, die bisher zu diesem Thema publiziert worden ist. Sie erschien gerade imAmerican Journal of Epidemiology.

Bjørge und Koautoren untersuchten die Beziehung zwischen BMI (gemessene Größe und Gewicht) und Mortalität bei 227 000 Adoleszenten (14-19 Jahre), die in norwegische Beobachtungsstudien zwischen 1963 und 1975 aufgenommen worden waren. Während der Nachbeobachtung mit 8 Millionen Personenjahren wurden 9650 Todesfälle beobachtet. Verglichen wurde die ursachenspezifische Mortalität bei Personen mit einem BMI zu Studienbeginn unter der 25. Perzentile, zwischen der 75. und 84. Perzentile und über der 85. Perzentile in einer Referenzpopulation aus den USA mit der von Individuen, deren BMI zwischen der 25. und 75. Perzentile lag.

Das Risiko für einen Tod an endokrinen, durch die Ernährung und metabolisch verursachten Krankheiten und von Erkrankungen des Herzkreislaufsystems war in den beiden höchsten BMI-Kategorien für beide Geschlechter erhöht. Das relative Risiko für einen Tod an ischämischer Herzkrankheit lag bei 2,9 für Männer und bei 3,7 für Frauen in der höchsten BMI-Klasse, verglichen mit der Referenzpopulation. Auch zeigte sich ein erhöhtes Risiko für Kolonkarzinom (Männer: 2,1, Frauen: 2,0), Erkrankungen der Atemwege (Männer: 2,7, Frauen: 2,5) und plötzlichen Herztod (Männer: 2,2, Frauen: 2,7).

Die Autoren schließen, dass die Adipositas im Adoleszentenalter mit einer erhöhten Mortalität an verschiedenen wichtigen Ursachen im mittleren Alter korreliert ist.

Das ist ganz klar kein gutes Zeichen für das, was unsere Töchter und Söhne erwartet, wenn wir die Adipositas-Krise nicht in den Griff bekommen.

AMS
Edmonton, Alberta

Mittwoch, 16. Juli 2008

Epikardiales Fett und Gewichtsabnahme

Vermehrtes viszerales Fett, gleichbedeutend mit "ektopischer" Fettablagerung, ist mit Insulinresistenz und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko assoziiert.

Üblicherweise wurde der Begriff "viszerales Fett" verwendet, um das Fett innerhalb des Abdomens, im Omentum und Mesenterium, zu beschreiben. In den letzten Jahren wurde das Konzept erweitert, um auch andere ektopische Fettdepots einzuschließen, wie die in der Leber und im Herzen.

Dass das Fett, das sich epikardial ansammelt, en Marker für viszerales Fett sein kann, erkannte als Erster Gianluca Iacobellis, der vor einigen Jahren als klinischer Research Fellow in meine Arbeitsgruppe an der McMaster University eintrat und jetzt ihrer Fakultät angehört.

In der aktuellen Ausgabe von OBESITY berichtet Iacobellis über Forschungsergebnisse, die wir gemeinsam erarbeiteten, bevor ich McMaster verließ, um an die University of Alberta zu arbeiten. In dieser Arbeit zeigen wir, dass das epikardiale Fett ein sensitiver Marker für Änderungen am viszeralen Fett ist, die im Zusammenhang mit Gewichtsabnahme auftreten.

In dieser Studie bei 20 schwer adipösen Patienten, die sich einem sechsmonatigen Abnehmprogramm mit einer sehr niedrigkalorischen Diät unterzogen und darunter 20% ihres ursprünglichen Gewichts abnahmen, ging der Taillenumfang um 23% zurück und die epikardiale Fettschichtdicke um 32%.

Auf Grundlage dieses Ergebnisses schlagen wir vor, dass die echokardiographische Bestimmung des epikardialen Fetts ein zusätzliches Maß bieten kann, um das metabolische Risiko im Zusammenhang mit verschiedenen Fettverteilungen zu verstehen. Vielleicht noch wichtiger: Diese echokardiographische Beurteilung des epikardialen Fetts könnte ein einfaches und relativ preiswertes Mittel sein, um die Veränderungen im viszeralen Fett bei Gewichtsabnahme (oder -Zunahme) in der klinischen Praxis zu verfolgen.

Sicherlich übertrifft diese Methode in der Praxis die Messung des Taillenumfangs (ein relativ grobes Maß für das intraabdominelle Fett) oder die viel teurere CT- oder MRI-Untersuchung.

AMS
Edmonton, Alberta

PS Navneet Singh und Sean Wharton danke ich für ihre große Hilfe bei dieser Studie, ebenso wie allen Patienten, die für diese Messungen ihre Zeit opferten.

Freitag, 4. Juli 2008

Sagt das metabolische Syndrom Herzkrankheiten voraus?

Das Metabolische Syndrom oder Syndrom X, vor kurzem auch “Xyndrome” getauft, ist die Kombination aus

• abdominal betonter Adipositas
• hohen Triglyceridspiegeln
• niedrigem HDL-Cholesterinspiegel
• Hypertonie
• erhöhten Nüchtern-Blutzuckerspiegeln

Dieses Konzept wurde breit als ein Mittel propagiert, um klinisch Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko zu identifizieren.

Während das Konzept intuitiv vernünftig erscheint (da alle fünf Komponenten des Syndroms einzeln mit einem gesteigerten kardiovaskulären Risiko korreliert wurden), reißt die Diskussion nicht ab, ob das Konzept dieses “Syndroms” Risikopatienten besser identifizieren kann, als wenn man beim Patienten nach den einzelnen Risikofaktoren sucht.

Um zu klären, ob das "metabolische Syndrom" tatsächlich ein Risikofaktor für Herzkrankheiten ist, untersuchten Naveed Sattar und Mitarbeiter von der University of Glasgow die Beziehung zwischen dem metabolischen Syndrom und der Inzidenz von kardiovaskulären Krankheiten und Typ-2-Diabetes bei 4812 nichtdiabetischen Personen zwischen 70 und 82 Jahren aus der Prospective Study of Pravastatin in the Elderly at Risk (PROSPER). Sie untermauerten diese Daten mit einer zweiten prospektiven Studie (the British Regional Heart Study [BRHS]) bei 2737 nichtdiabetischen Männern zwischen 60 und 79 Jahren (The Lancet).

In PROSPER war das metabolische Syndrom über 3,2 Jahre nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert, jedoch mit einem vierfach erhöhten Risiko für Diabetes. Ein erhöhter Nüchternglukosespiegel war indessen mit einem 18-fach erhöhten Risiko für Diabetes erhöht..

Ähnlich war auch in BRHS das metabolische Syndrom nur gering mit kardiovaskulärer Krankheit assoziiert, trotz einer starken Korrelation zu Diabetes.

Bedeutsam erscheint, dass in beiden Studien der Body Mass Index, der Taillenumfang, der Triglyceridspiegel und erhöhte Glucosewerte ebenfalls nicht mit einem Risiko für kardiovaskuläre Krankheit assoziiert waren, aber alle fünf Komponenten gingen mit einem erhöhten Risiko für Neuauftreten eines Diabetes mellitus einher.

Die Autoren schließen, dass das metabolische Syndrom und seine Komponenten zwar mit Typ-2-Diabetes assoziiert sind, dass aber nur eine schwache bis keine Korrelation mit dem Gefäßrisiko besteht – bei älteren Individuen. Sie empfehlen, das klinische Augenmerk weiterhin darauf zu richten, optimale Risikoalgorithmen gemäß jedem einzelnen Risikofaktor zu etablieren, statt sie in einem vermeintlichen Syndrom zu vermengen.

Man könnte natürlich argumentieren, dass das Konzept des metabolischen Syndroms vielleicht bei jüngeren Individuen noch nützlich sein könnte. Aber die gleiche und andere Arbeitsgruppen konnten auch bei Jüngeren nicht zeigen, dass das metabolische Syndrom ein starker Prädiktor für Herzkrankheiten ist, wie die Diskussion der Arbeit erwähnte.

Ob das Konzept des metabolischen Syndroms hilfreich ist oder nicht, man sollte daran denken, dass das Management der Adipositas die einzige Intervention ist, die auf alle fünf Komponenten des Syndroms gleichzeitig günstige Auswirkungen entfaltet. Während die konventionelle Versorgung darauf ausgerichtet ist, aggressiv die einzelnen Risikofaktoren ins Visier zu nehmen, wird nur aggressive Adipositas-Therapie alle Aspekte dieses vermuteten Syndroms verbessern.

Leider fehlen uns mit Ausnahme der Adipositas-Chirurgie immer noch Outcome-Studien, die zeigen, dass die Adipositas-Behandlung tatsächlich die kardiovaskuläre Mortalität senkt.

Die Annahme, dass eine Gewichtsabnahme ohne Chirurgie Leben rettet, basiert nicht auf harter Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien. Ich vermute, dass bis zum Vorliegen besserer Daten Ärzte, Kostenträger und Politiker weiter in Frage stellen, dass die Therapie der Adipositas (mit den gleichen Ressourcen und dem gleichen persönlichen Einsatz wie bei anderen chronischen Krankheiten!) Nutzen bringt.

AMS
Edmonton, Alberta